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[Rezension] "Superhero" von Anthony McCarten


Es war nun längere Zeit sehr ruhig auf meinem Blog. Vielleicht habt ihr auch mitbekommen woran das lag? Ich bin umgezogen. Und wie das oft so ist, läuft nicht immer alles wie geplant. Mit einer verlängerten Renovierungsphase, einigen Pleiten, Pech und Pannen sowie einer fiesen Erkältung explodierte meine geplante Zeitschiene und der Terminplan. Die Wochenenden wurden also für Wandfarbe, Spachtelmasse, Sockelleisten, Bohrmaschine, Möbelhaus-Reklamationen, nicht enden wollende Baumarkt-Besuche und dergleichen geopfert. Aber das meiste ist geschafft und daher habe ich nun endlich wieder Zeit für die schönen Dinge im Leben, wie zum Beispiel für Bücher und den Blog!
Hier kommt also eine Rezension über ein Buch aus dem Diogenes Verlag, das tragischkomisch und ungewöhnlich daher kommt. Es handelt dabei von einem krebskranken Jungen, seinem AlterEgo, dem Leben und den Träumen. 


Superhero
Von Anthony McCarten
Taschenbuch und Ebook erhältlich seit April 2008,
Sonderausgabe "Ein Buch für die Stadt 2017" erhältlich seit Juli 2017
Seitenzahl: 304
Verlag: Diogenes Verlag
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(c) Foto: Tintentick

Vom Leben, Träumen und der Endlichkeit

Donald, 14 Jahre jung, hat keine Zeit mehr. Er liebt Comics wie andere Jungs in seinem Alter, aber eines unterscheidet ihn doch von vielen: Er hat Leukämie und hat keine Hoffnung mehr. Donald wollte noch so viel erleben, unter anderem wie das so mit den Mädchen und dem Sex ist. Wie soll das klappen, wenn er schwerkrank ist?

Um mit seiner Wut über das Leben umzugehen, zeichnet er MiracleMan, einen Comichelden und seinen AlterEgo. MiracleMan kämpft gegen den Krebs, etwas das Donald nicht mehr kann. Doch Hilfe im richtigen Leben findet sich für Donald in dem sympathischen Psychologen Dr. Adrian King, der nicht nur das Vertrauen des Jugendlichen gewinnt, sondern auch den verlorenen Mut und Lebenswillen zu wecken versucht.

Anthony McCarten entwickelt in „Superhero“ ein ungewöhnliches Setting, das facettenreicher nicht sein könnte. Wir werden mit Verzweiflung, Hilflosigkeit, zerplatzten Träumen und der Vergänglichkeit des Lebens konfrontiert. Doch neben dem schweren, betrüben Ton, bringt dieses Buch noch eine andere Grundstimmung mit - Eile, Stress und Nase-voll. Das liegt daran, dass Donald genervt ist. Von allem. Und das stellt der Autor sehr gut dar, verdeutlicht wie Donald fühlt und wie ihm die Zeit davon zu laufen scheint.

Daneben ist aber auch der Stil des Buchs ungewöhnlich. McCarten schreibt im Drehbuch-Stil mit Comicelementen. Manchmal sind wir Leser in Donalds Comictraum mit MiracleMan unterwegs und dann wieder in der Realität - das ist erfrischend neu, aber erfordert doch etwas Gewöhnung. Ich habe mich mit zunehemender Seitenzahl allerdings gefragt, ob ich einen Roman über einen krebskranken Jungen oder ein Hollywood-Kinofilmskript in der Hand halte. Vom Lesegefühl her tendierte ich eher zu Letzterem.

Dieses Lesegefühl ist auch der Grund, weshalb ich trotz der berührenden Thematik die Figuren bis zum Schluss nicht gänzlich ins Herz schließen konnte und mir der Zugang zu ihnen nicht immer gelungen ist. In der Konsequenz verzeihe ich dann auch die Schwachpunkte in der Handlung nicht: Manchmal war mir die ein oder andere Situation zu konstruiert und mit zu viel überzogenem Drama gewürzt. Genauso empfand ich auch bei Donalds pubertären Sexgedanken, die ich nach kurzer Zeit als übertrieben und störend empfunden habe. 

Fazit
„Superhero“ ist ungewöhnlich, intensiv und bringt uns Leser trotz der Tragik zum Grinsen. Das ist eine gelungene Mischung, die sich jedoch manchmal mehr nach Hollywood-Kinofilm anfühlt, denn als realistische, authentische Geschichte über einen krebskranken Jungen, der einfach nur sein Leben leben will. Trotzdem kann ich dieses Buch allen empfehlen, die gerne ein Drama mit einer Prise  Humor lesen und dem Drehbuch-Stil nicht abgeneigt sind.

4 von 5 Sonnen

Liebe Grüße und bis bald,
eure Elena

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