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[Rezension] "Der Trick" von Emanuel Bergmann



Durch Zufall bin ich auf „Der Trick“ von Emanuel Bergmann aufmerksam geworden. Eine liebe Freundin empfahl mir die Bücher von Ian McEwan, die ebenfalls wie „Der Trick“ im Diogenes Verlag erschienen sind. Ich stöberte also durch das Verlagsprogramm und wollte mir ansehen, was Ian McEwan alles geschrieben hat. Und dann war da dieses Buch über einen älteren Zauberer und einen kleinen Jungen, der mit Zauberei die Scheidung seiner Eltern verhindern wollte. Das Cover mit dem Mann und den Monsterchen fiel auf, der Titel klang interessant. Und schwupps war der Titel auf der Wunschliste. Ian McEwan zog auf die Liste zwar Minuten später auch ein, aber erstmal musste „Der Trick“ gelesen werden. Und hier ist heute die Rezension...


Der Trick
Von Emanuel Bergmann
Taschenbuch erhältlich seit 25. Oktober 2017
(Hardcover und E-Book bereits seit Februar 2016 erhältlich)
Seitenzahl: 400
Verlag: Diogenes Verlag
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(c) Foto: Tintentick
Von Wunder, Zauber und Hoffnung

„Der Trick“ war so ganz anders als ich das erwartet habe. Zwischen den Buchdeckeln warten zwei Handlungsstränge mit zwei besonderen Protagonisten auf uns Leser, die in unterschiedlichen Zeit- und Raumebenen leben. Mosche (Moses) Goldenhirsch lebt in den 1930er Jahren in Europa und Max Cohn im Jahr 2007 in den USA. Wir erleben zu Beginn in welch einfachen Verhältnissen Mosche aufwächst, wie er früh seine Mutter verliert und wie schwierig das Verhältnis zu seinem Vater, einem Rabbiner und Kriegsversehrten, ist. Max hingegen geht in die 4. Klasse einer amerikanischen Schule und erfährt bei einem Restaurantbesuch von der Scheidung seiner Eltern. Kurz danach zieht sein Vater aus dem Familienzuhause aus und Max gibt sich die Schuld an der Scheidung seiner Eltern. Beide, Mosche und Max, laufen jeweils von Zuhause davon.

Es ist bewegend zu beobachten wie Mosche sich einem Zirkus anschließt, welch harte Zeiten er während der damals angespannten politischen Situation durchleben muss und wie sich Max auf die Suche nach dem Zauberer Zabbatini macht, der die Ehe seiner Eltern retten soll. Mosches Geschichte nahm mich sofort gefangen, während die Erlebnisse von Max zwar interessant, aber weniger fesselnd waren. Leider zieht es sich gerade in der Buchmitte etwas, worunter die Spannung vorübergehend leidet. Doch dann treffen die beiden Protagonisten in der Zeit von Max aufeinander: Es begegnen sich Alt und Jung - wobei einer an nichts mehr glaubt und der andere immer noch voller Hoffnung ist - und für mich als Leser ergibt sich plötzlich dieses gedanklich runde, stimmige Bild. Genau so muss sich ein gutes Buch anfühlen.

Emanuel Bergmann schreibt „Der Trick“ dabei mitreißend, wortgewandt und regt zum Nachdenken an. An manchen Stellen wird der Ton ironisch-schräg, so mancher Witz bewegt sich in grenzwertigen Gefilden. Dabei sind Politik und Glauben, die Entwicklung von Nazi Deutschland, der zweite Weltkrieg sowie die Judenverfolgung feste Handlungsbestandteile. Neben bedrückenden und traurigen Lesemomenten, finden wir aber auch schöne und freudige Augenblicke im Leben der Protagonisten. Mit einer Prise Humor und den wechselnden Perspektiven bzw. Handlungssträngen, nimmt Emanuel Bergmann dem Buch zusätzlich an Ernsthaftigkeit und Schwermut.

Fazit
In „Der Trick“ führt Emanuel Bergmann zwei anfänglich getrennte Handlungsstränge zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Es geht um Familie, Liebe, Freundschaft aber auch um die Verfolgung der Juden und die Grausamkeiten des Hitlerregimes. „Der Trick“ ist traurig, bewegend und doch lebensbejahend und voller Hoffnung. Wer sich auf diese Geschichte einlässt, erhält ein stimmungsvolles Erstlingswerk. Klare Buchempfehlung!
4,5 von 5 Sonnen

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Liebe Grüße und bis bald,
eure Elena

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