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[Autorendialog] "Eiswüste" von Maxi Forteller


Gestatten, Lex Falkner, Magier. Lex bringt seine eigene Urban-Fantasy Buchreihe mit, eine Mischung aus Realität und Magie. Die Autorin Maxi Forteller veröffentlicht ihre Bücher bei Amazon und stand mir Rede und Antwort. Heute stellen ich und Maxi euch in diesem Beitrag ihre Buchreihe vor und bringen euch gleichzeitig noch eine kleine Leseprobe mit. Für alle Fans von Harry Dresden und abenteuerlichen Fantasybüchern! Neugierig?


Eiswüste: Lex Falkners Abenteuer
Von Maxi Forteller
Taschenbuch und Ebook erhältlich seit 28. Juli 2017
Seitenzahl: 289
Webseite Maxi Forteller
 Bei Amazon ansehen?

Klappentext:
"Ein Zauberer auf Geschäftsreise? Das kann nicht gut gehen.
Fern der Heimat muss sich Lex allein behaupten: Er steht nicht nur der Aufgabe gegenü
ber, eine Rede zu halten, auch seine Pflichten als Magier rufen. Unverhofft verschlägt es
ihn in die Eiswüste, wo jede Nacht ein Mensch entführt wird.
Die örtlichen Inuit-Schamanen, unter ihnen die bezaubernde Aluki, nehmen seine Hilfe
gerne an. Gemeinsam versuchen sie das Rätsel um den übernatürlichen Entführer zu lö
sen. Lex muss das unheimliche Wesen aufhalten, das die Einwohner in Angst und
Schrecken versetzt.
Er braucht all seine Kräfte, um gegen den grausamen Feind bestehen zu können, denn
der steht nicht allein da. Ein menschlicher Zauberer hat das Unheil über die nördlichste
Siedlung Kanadas gebracht. Wird Lex herausfinden, wer das Wesen beschworen hat?"


Autorendialog
- Interview mit Maxi Forteller -


Liebe Maxi, du bist die Autorin von Lex Falkners Abenteuer, einer Urban-Fantasy-Reihe mit aktuell 3 Büchern. Kannst du allen, die deine Bücher noch nicht kennen, erzählen worum es darin geht?


Lex Falkners Abenteuer von Maxi Forteller

Liebe Elena, erstmal ganz vielen Dank, dass du dieses Interview mit mir führst. Da es mein erstes ist, bin ich etwas aufgeregt und mache sicherlich viel falsch. Ich hoffe trotzdem, dass ich niemanden verschrecke.

Es gibt übrigens noch eine vierte Geschichte um Lex, Plätzchen und Dämonen heißt sie. Diese weihnachtliche Kurzgeschichte ist immer von November bis Januar kostenlos verfügbar und ist ein kleines Dankeschön an meine Leser. Innerhalb der Reihe kommt sie nach Eiswüste, obwohl ich sie schon früher geschrieben habe.

Meine Bücher sind das, was ich selbst gerne lese. Eine Verbindung zwischen Realität und Magie finde ich besonders interessant, also eben Urban-Fantasy. Wobei mir viele Bücher zu kitschig sind. Natürlich mag ich auch Romantisches, aber ich halte mich insgesamt lieber an das Spannende. Sehr wichtig ist es mir, dass man sich mit einem Protagonisten identifizieren kann. Deshalb ist Lex ein sympathischer Mann mit Selbstzweifeln, Hoffnungen und einer Prise Humor. Er möchte kein Held sein und sehnt sich nach nichts mehr als nach Normalität. Doch diesen Traum kann er sich nicht erfüllen, denn gerade, als er sich für einen neuen Job vorstellt, klingelt Helmut, ein Freund seines verstorbenen Vaters an der Haustür.

Lex‘ Vater starb schon vor dessen Geburt, er hat ihn nie kennengelernt und hält Helmut für einen Spinner, als der ihm berichtet, dass sein Vater ein Magier war und Lex sein Erbe ist. Bevor Lex noch dazu kommt, die diversen Merkwürdigkeiten in seinem Leben mit dieser Neuigkeit in Einklang zu bringen, versucht ein Fremder, ihn zu entführen.

Das ist die Geschichte vom ersten Teil, Feuerdämon. Im Weiteren muss Lex sich entwickeln, seine Identität und seine Verantwortung annehmen, um die Abenteuer zu bestehen, die vor ihm liegen. Denn er ist es, der zwischen den Schrecken der Zauberei und der normalen Welt steht.

Lex, möchtest du dich selbst auch kurz vorstellen?

Ich wollte eigentlich immer nur ein normales, glückliches Leben führen. Leider hat das nicht geklappt. Ich kann mich selbst ganz gut belügen und habe das lange Zeit versucht, doch inzwischen muss ich mich daran gewöhnen, dass ich besondere Fähigkeiten besitze und die Verantwortung habe, den anderen Menschen ein normales Leben zu ermöglichen, das ich selbst nicht haben kann.

Wenn ich die Wahl hätte, wäre ich lieber kein Zauberer. Ich habe aber gelernt, dass ich diese Tatsache nur akzeptieren kann, denn wenn ich es nicht tue, werde ich niemanden vor dem Bösen retten können. Obwohl ich ehrlich gesagt nicht sehr erfolgreich bin mit dem Retten.

In meiner Umgebung sterben viel zu viele Menschen. Daran kann ich mich noch weniger gewöhnen, wie daran, dass ich ständig um mein Leben kämpfen muss. Dafür wird mir nie langweilig, denn selbst, wenn ich nicht gegen Zauberer oder Dämonen kämpfe, bietet das Leben genug Herausforderungen, denn ich führe ein Doppelleben.

Meinen Lebensunterhalt verdiene ich ganz normal. Obwohl ich versuche, wenig Bindungen einzugehen, habe ich auch Freunde. Leider habe ich zu wenig Zeit für sie und für meine Arbeit. Darum genieße ich es umso mehr, wenn ich ein paar Tage Normalität finde, auch wenn ich weiß, dass es nicht von Dauer ist. Und dann ist da noch Marie. Ich habe mich in sie verliebt, aber um sie zu schützen, darf es niemand erfahren, schon gar nicht sie selbst.

Besten Dank, Lex!

Der neuste Titel ist „Eiswüste“, das dritte Abenteuer. Würdest du empfehlen, direkt mit Band Nr. 1 „Feuerdämon“ einzusteigen oder ist der dritte Teil auch problemlos alleine zu lesen? 

Jedes Buch der Reihe ist in sich abgeschlossen und kann für sich allein gelesen werden. Wen also die Story von Eiswüste interessiert, der sollte einfach damit beginnen.
Ich glaube, es ist der bisher beste Teil der Reihe. Trotzdem reicht die komplexe Entwicklung der Charaktere natürlich über die einzelnen Abenteuer hinaus. Darum gibt es auch einen kurzen Prolog zu Beginn jeden Buches, damit der Leser auch ohne Vorwissen problemlos in die Geschichte einsteigen kann.

Du hast nun innerhalb von 1,5 Jahren bereits drei Bücher veröffentlicht, liebe Maxi. War „Feuerdämon“ deine erste Veröffentlichung?

Ja, Feuerdämon war meine erste Veröffentlichung. Allerdings schreibe ich schon seit meiner Jugend, ich habe mich nur bisher schwer getan, eine Geschichte auch zu Ende zu bringen, weil mir immer so viele neue Ideen im Kopf herum schwirren. Feuerdämon habe ich begonnen, als ich selbst gerade studiert hatte und meine Promotion machte, das ist jetzt volle 8 Jahre her. Ich habe also sehr lange gebraucht, um Feuerdämon fertig zu stellen. Seither bin ich viel schneller geworden.

Man lernt ja von Buch zu Buch und von Veröffentlichung zu Veröffentlichung immer dazu. Würdest du rückblickend irgendetwas anders machen?

Ich würde nichts Grundlegendes anders machen, aber du hast absolut recht, man lernt ständig dazu. Deshalb habe ich mir auch vorgenommen, Feuerdämon zu überarbeiten. Nicht die Charaktere oder die Geschichte an sich, nur die Umsetzung. Ich denke, es lohnt sich, meine neueren Erfahrungen auch in den ersten Teil der Reihe einfließen zu lassen. Ich bin selbst überzeugt, dass ich mich inzwischen verbessert habe und dass ich es meinen Lesern und mir selbst schuldig bin, meine Geschichte so gut wie möglich zu erzählen.

Hast du noch weitere Buchideen in der Pipeline? Wird es mit Lex weiter gehen?

Tatsächlich habe ich viel mehr Ideen, als Zeit, sie niederzuschreiben. Es kann also gut sein, dass nicht jede Idee auch als Buch erscheinen wird. Aber mit Lex geht es definitiv weiter. Ich arbeite schon an seinem nächsten Abenteuer, das ich aktuell Blutfluch nenne und das sich an Eiswüste anschließt. Mehr möchte ich aber noch nicht verraten, es soll ja spannend bleiben.

Wie bist du überhaupt zum Schreiben von fantastischen Geschichten gekommen?

Ich glaube, bei mir hat das angefangen, als ich als kleines Kind begann, selbst Gute-Nacht-Geschichten für mich zu erfinden. Ich habe mir sozusagen selbst Abenteuer erzählt, und die waren immer sehr fantasievoll, denn Realität habe ich jeden Tag, eine Geschichte muss sich für mich davon abheben. Bis ich begonnen habe, auch Erzählungen aufzuschreiben, hat es allerdings ziemlich lange gedauert.

Ein Schlüsselerlebnis war sicherlich das Schreiben von Aufsätzen in der Grundschule, da habe ich angefangen, das Schreiben zu mögen, obwohl ich eine katastrophale Rechtschreibung habe. Mit groß und klein stehe ich besonders auf Kriegsfuß. Daher nutze ich auch exzessiv die diversen Korrektur-Hilfen, die die moderne Textverarbeitung bietet.

Hast du mittlerweile eine Routine, wie du das Schreiben von Büchern angehst und was dabei nicht fehlen darf?

Ich bin kein sehr planender Mensch. Ich habe meist eine Vorstellung von einer bestimmten Szene, die ich mir gründlich ausmale und die ich dann aufschreibe. Das ist oft irgendwo in der Mitte der Geschichte. Dann muss diese Szene aber in ein großes Ganzes passen. An der Stelle fange ich an, die Story grob zu plotten. Ich erstelle mir eine Art Leitfaden, was wann passieren soll. Dafür verwende ich einen Kalender.
Lex‘ Geschichten verlaufen über einen recht langen Zeitraum, das kann durchaus ein Monat sein. Da ist es wichtig, zu wissen, was an einem Wochenende passiert und was unter der Woche. Dann schreibe ich los. Dabei hangle ich mich grob an der Storyline entlang, aber es passiert sehr häufig, dass mich die Geschichte doch in eine andere Richtung treibt, das genieße ich und nehme die Tatsache an, wie sie ist. Wenn ich den Rest anpassen muss, dann tue ich das.

Wie viel von Maxi steckt denn in Lex? Habt ihr Gemeinsamkeiten?

Ich glaube, ich stecke in jeder Figur drin. Und natürlich in besonderem Maße in Lex, er hat dasselbe studiert wie ich und sich ebenfalls für eine Promotion entschieden. Der reale Teil seines Lebens ähnelt meinem also durchaus. Wir haben auch unseren schlechten Orientierungssinn gemein. Ohne meine Navi bin ich verloren, und Lex geht es nicht anders. Außerdem lieben wir beide den Sternhimmel.

Findet sich Lex in deinem Alltag wieder? Sprichst du mit Freunden und Familie über deine Ideen oder kommen dir womöglich während der Hausarbeit die besten Einfälle?

Ich spreche eigentlich mit niemandem über meine Schriftstellerei, das ist mein ganz persönliches Geheimnis, das nur die Menschen kennen, die mir ganz, ganz nahe stehen. Aber natürlich kommen mir ständig im Alltag Einfälle, oft passieren skurrile Dinge bei der Arbeit, die baue ich dann auch in meine Geschichten ein.

Als Autorin liest du bestimmt auch selbst gerne. Verrate uns doch, in was du aktuell gerade schmökerst und ob du Lieblingsbücher hast.

Aktuell lese ich Der Weg in die Schatten, von Brent Weeks. Ich finde, es ist ein gutes Buch, spannend, überraschend und ein wenig düster, das mag ich gerne. Vor einiger Zeit habe ich auch die Harry Dresden Reihe für mich entdeckt und lese mich fleißig hindurch.
Richtige Lieblingsbücher habe ich nicht. Es gibt viele, die ich begeistert gelesen habe, aber sie müssen immer auch im Zusammenhang mit der aktuellen Lebenssituation gesehen werden. Als Teenie mochte ich sehr gerne Die Mitte der Welt von Andreas Stiefenhöfel, diverse Geschichten von Hohlbein und natürlich den Herr der Ringe. Später habe ich gerne englische Krimis gelesen, Martha Grimes zum Beispiel. Und immer liebte ich Fantasy. Gut gefallen haben mir die Bücher von Tad Williams, Harry Potter natürlich und auch die Game of Thrones Bücher, die ich übrigens viel fesselnder finde, als die TV-Serie.

Gibt es noch etwas, dass du gerne den Bloglesern mitteilen möchtest?

Ich hoffe nur, dass nicht allzu viele ausgestiegen sind, weil ich gar soviel geschwatzt habe ;-)

Vielen Dank für deine Antworten!


Leseprobe
"Eiswüste"von Maxi Forteller

Petuwaq bündelte seine Kräfte, genau hier, im Knotenpunkt natürlicher Energie. Er dachte an die Schönheit, die einsame Erhabenheit seiner Heimat, rief sich die Geräusche des Windes in Erinnerung, visualisierte wirbelnde Flocken. Sein Summen wurde angestrengter, war nicht länger ein Leichtes. Alle Kräfte, die sein gebrechlicher Körper mobilisieren konnte, flossen in die Lichtkugel, die sich vor ihm ausbildete. Sie schwoll an, bis sie endlich groß genug war, um ihn aufzunehmen. Seufzend ließ er die Konzentration fahren. Das Tor, das er geöffnet hatte, würde erhalten bleiben, bis es nicht mehr gebraucht wurde.

Erschöpft stolperte er mehr hindurch, als dass er ging. Auf der anderen Seite erwartete ihn genau die weiße Landschaft, die er sich beim Heraufbeschwören des Tores vorgestellt hatte. Genauso musste es sein, denn stellte er sich etwas anderes vor als sein Ziel, so konnte er nicht wissen, was geschehen würde. Im besten Fall bliebe das Tor für ihn verschlossen.

Petuwaq war erfahren und mächtig genug, um zu erreichen, was er wollte. Doch seine Energie war so vollkommen aufgebraucht durch die Erzeugung des Tores, dass er nicht einmal mehr klar sehen konnte und im Schnee zusammenbrach. Seine Schüler erwarteten ihren Lehrmeister bereits, beobachteten ehrfürchtig, wie das leuchtende Tor sich bildete und die Gestalt hindurchwankte. Behutsam hob Brian seinen Lehrmeister aus dem Schnee und stützte ihn, bis er ihn auf einen Sitz in Alukis Auto verfrachtet hatte. Er warf noch einen Blick zurück, erkannte, dass sich das Tor noch nicht geschlossen hatte, doch es verschwand bereits in dem dichten Wirbel der Schneeflocken. Wenige Schritte genügten, um es aus den Augen zu verlieren. Der Sturm, der seit Tagen tobte, hatte ihre Heimat vom Rest der Welt abgeschnitten. Sie konnten keine Hilfe erwarten, die einzige Ausnahme bildete Petuwaq.

Die Vertreter der Regierung, es gab immerhin ein Polizeipräsidium in der Ortschaft, standen dem Grauen hilflos gegenüber. Und Brian und Aluki waren ebenso wehrlos. All ihre Hoffnung ruhte auf dem alten Mann. Er wirkte gebrechlicher, kleiner und älter, als Brian ihn in Erinnerung hatte. Konnten die drei Jahre, seit er Petuwaq das letzte Mal gesehen hatte, so viel ausmachen? Wahrscheinlicher war es, dass er sich beim Öffnen des Tores verausgabt hatte und nach ein paar Stunden Schlaf wieder der Alte sein würde.

Brian hoffte sehr, dass der weise Schamane helfen konnte. Sicherlich hatte auch er wahrgenommen, wie sich das Übel erhob. Selbst in Vancouver war die Verbindung des alten Mannes in seine Heimat stark. Doch wusste er auch, was ihn erwartete? Wusste er, dass der Schrecken der alten Sagen die Menschen der kleinen, nördlichsten Ansiedlung der Welt nach und nach auslöschte?

Seit Tagen schon wurden die Bewohner Grise Fiords des Nachts entführt. Ein namenloser Schrecken holte jede Nacht einen Menschen. Er brachte sie nicht um, doch er nahm ihnen all ihre Lebensenergie und ließ sie zum Sterben im Eis zurück. Brian schüttelte sich beim Gedanken an das grausige Schicksal, das die Einwohner erwartete. Petuwaq musste sie erretten. Er musste einfach einen Zauberspruch kennen, der die Bestie auslöschte. Brian drehte sich zu dem Tor um. Noch immer konnte er das sanfte Glühen erahnen, doch es verschwand im dichten Wirbel des Schnees mit jedem Meter, den Alukis Wagen zurücklegte. Er dachte an die Natur der geheimnisvollen Tore, die Petuwaq ihm erklärt hatte: Waren sie erst erzeugt worden, blieben sie genau so lange bestehen, bis sie nicht mehr gebraucht wurden. Petuwaq war hindurch getreten, warum existierte das Tor noch?

Ich hatte kurz das merkwürdige Gefühl, mich aufzulösen, als ich durch das Tor schritt, doch bevor ich in Panik geraten konnte, war es auch schon vorbei. Ich fand mich in einer anderen Welt wieder. Vor mir lag eine unendliche Eiswüste. Wind pfiff mir ins Gesicht, ließ mir schmerzhaft bewusst werden, dass ich nur ein T-Shirt trug und leichte Sneaker. Zudem war ich nass. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, schon begann ich zu zittern, meine Zähne klapperten. Auf der Stelle wandte ich mich um, wollte durch das Tor zurückgehen.

Es gab kein leuchtendes Tor mehr.
Hinter mir erstreckte sich dieselbe Eiswüste wie vor mir.

Fassungslos dreht ich mich einmal um die eigene Achse, suchte mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung standen. Das Tor war fort, spurlos verschwunden. Genau wie die vermummte Gestalt, deren dicke Pelz-Kluft in dieser Region absolut Sinn ergab. Wie dumm war ich gewesen, ihm einfach zu folgen. Ich war allein, schrie laut um Hilfe, doch der Wind trug meine Stimme davon, ließ sie im Nu verklingen. Meine Muskeln zitterten schon unkontrolliert. Keine Stunde konnte ich hier überleben. Ich bündelte meine magische Kraft. Die Magie transportierte den Hilferuf tiefer in die menschenfeindliche Gegend. Trotzdem erhielt ich keine Antwort.

Immerhin fand ich ein Bauwerk. Es war weit entfernt. In Ermangelung anderer Optionen ging ich darauf zu, versuchte, die Menschen in dem Gebäude auf mich aufmerksam zu machen. Die Kälte war so brutal, ich konnte mich auf nichts konzentrieren, als den nächsten Schritt zu tun. Ich musste mich bewegen, denn verharren bedeutete den sicheren Tod. Ob das Haus erreichbar war, wusste ich nicht, aber mir war klar, dass ich erfror, wenn ich stehen blieb. Also hob ich die Füße, ignorierte den brennenden Schmerz an Fingern und Ohren. Bald hatte ich eine Art Straße erreicht. Dieser folgte ich, in der Hoffnung, dass sie befahren war. Mein verletztes Bein gab als erstes auf, ließ mich ungeschickt stolpern. Ich fing den Sturz mit den Händen ab. Der Schnee war hart und schnitt meine schmerzende Haut auf. Zumindest fühlte sich die beißende Kälte so an. Kein Blutstropfen verschmutzte das makellose Weiß, kein bisschen Farbe bot meinen tränenden Augen Trost.

Ich schaffte es, mich hochzurappeln. Unwillkürlich dachte ich ans Studium zurück. Wenn Menschen erfrieren, ziehen sich zuerst die Adern der Extremitäten zusammen. Das Blut wird im Rumpf gehalten, um die lebenswichtigen Organe vor der Kälte zu schützen. Es war ein wenig schmerzhafter Tod, hieß es damals. Das konnte nur bedeuten, dass ich noch nicht erfror, denn meine Ohren brannten höllisch, die Finger ebenso. Bei jedem Atemzug schien sich meine Lunge wegen der eisigen Kälte qualvoll zusammenzuziehen. Das noch immer unkontrollierbare Zittern bedeutete, dass ich mich in einer ungefährlichen Phase der Unterkühlung befand. Die Hyperthermie hatte mich im Griff. Erst wenn das Bibbern aufhörte, wurde es wirklich gefährlich. Meine Zehen fühlte ich nicht mehr und das nasse T-Shirt war steif gefroren. Ich stolperte weiter, Schritt für Schritt. Eigentlich sollte ich in einem molligen Vortragssaal sitzen. Ich versuchte, mir ins Gedächtnis zu rufen, wie sich Wärme anfühlte. Der Wind pfiff noch stärker, wirbelte mir eisige Flocken in die Augen. Ich zwang mich, sie dennoch offen zu halten, versuchte, die Umgebung zu betrachten. Die Eiswüste um mich herum war tödlich, aber auch wunderschön. Die Sonne schien durch die wirbelnden Eiskristalle. Es schneite nicht mehr, der Wind trieb nur die schon auf dem Boden liegenden Schneeflocken in die Höhe. Ich hatte die Arme fest um den Rumpf geschlungen, um der Kälte möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Trotzdem war ich bereits komplett ausgekühlt. Verzweifelt ließ ich meine magische Kraft erneut schweifen, suchte das Haus, das mir meine Magie vorhin gezeigt hatte. Diesmal fühlte ich Menschen. Jemand war zu Hause. Ich richtete meine verbliebene Energie auf diese Person und schrie um Hilfe. Auf der Straße, übermittelte ich, ich bin auf der Straße, ich erfriere.

Unsicher, ob ich genug Macht gehabt hatte, um den Bewohner auf mich aufmerksam zu machen, stolperte ich vorwärts. Ich hatte keine Uhr bei mir. Es kam mir vor, als wäre ich schon seit Stunden allein im Eis. Mein Gehirn schien nun ebenso erstarrt wie meine Beine. Jeder Gedanke kostete Kraft, wie auch jeder Schritt. Schließlich wurde mir klar, dass das Zittern meiner Muskeln aufgehört hatte. Das konnte nur bedeuten, dass mein Körper tiefer abgekühlt war. Zu weit, um noch Energie aufzubringen, die Muskeln zu bewegen. Wenn mich nicht bald jemand fand, war es zu spät.



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Liebe Grüße und bis bald,
eure Elena

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