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[Rezension] "Der Axolotlkönig" von Sylvia Rieß


Ich habe euch bereits von der Märchenspinnerei berichtet, einem Projekt mehrerer Autorinnen. Jeden Monat ist eine andere Autorin an der Reihe und veröffentlicht ihr Werk. Das Besondere daran ist, dass es sich jeweils um Märchenadaptionen handelt - also Märchen, die in ein komplett neues Gewand gesteckt wurden. Im Februar fiel der Startschuss und "Der Axolotlkönig" erblickte das Licht der Welt bzw. seine Buchveröffentlichung. 


Der Axolotlkönig (Maerchenspinnerei #1) 
Von Sylvia Rieß
Erhältlich ab 11. Februar 2017
Seitenzahl: 304
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
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Von verwandelten Jungen und dem Leben am psychischen Abgrund
Da ist er also, der erste Band der Märchenspinnerei. Sylvia Rieß darf den Anfang machen und präsentiert uns mit „Der Axolotlkönig“ ein Buch, indem sie mit Leonie eine Figur kreiert, die es im Leben nicht leicht hat. Fynn dagegen aber auch nicht, denn der wird auf dem Schulklo plötzlich in einen Axolotl verwandelt. Und dann landet Fynn auch noch in Leonies Aquarium...

Das Buch wäre mir ehrlicherweise in einer Buchhandlung nicht aufgefallen. Der Schriftzug auf dem Cover gefällt mir zwar sehr gut, aber die restliche Gestaltung trifft leider nicht meinen Geschmack. Auch der Buchtitel geht nicht leicht von der Zunge. Dennoch lese ich sehr gerne Märchenadaptionen und mag es auch, wenn in Büchern ernstere Themen angesprochen werden und den Geschichten so Tiefgang verleihen. Beides bekommen wir hier.

„Der Axolotlkönig“ bekommt sein märchenhaftes Fundament durch den Froschkönig und die Schneekönigin gestellt. Prinzessinnen, hübsche Kleider und Schlösser bekommen wir hier aber nicht, denn das ganze spielt in der heutigen Welt. Ergänzt wird das Buch durch Themen wie Mobbing und psychischen Erkrankungen. Das sind absolut aktuelle und sensible Themen, die allerdings in der Öffentlichkeit nicht so viel Beachtung finden. Deshalb ist es umso wichtiger auch mal anzusprechen wie sich Menschen fühlen, die als Mobbingopfer an ihre eigenen Grenzen stoßen und an einer depressiven Erkrankung leiden. Besonders hervorheben will ich daher also, dass „Der Axolotlkönig“ durch diese ernste Thematik und dem sensiblen Umgang damit punktet. Wirklich gut gemacht!

Die Autorin Sylvia Rieß schreibt hauptsächlich aus der Ich-Perspektive von Fynn und Leonie und erzählt dabei in jugendlicher Sprache. Fynn ist der beliebteste Junge der Schule, spielt Gitarre und sieht gut aus. Leonie ist ein cleveres Mädchen und leidet stark unter dem Mobbing in der Schule. Die Charaktere sind insgesamt sympathisch, bleiben aber auch etwas farblos. Manches Verhalten war mir zu viel, anderes wird mir zu schnell abgetan – so geht etwas der Authentizität verloren. Im Laufe der Geschichte findet aber eine Charakterentwicklung statt, die ich gern beobachtet habe.

Wir erleben hier also was aus Menschen wird, die sich in extremen Situationen befinden und wie sie damit umgehen. Das regt zum Nachdenken an. Ich finde es einfach ganz furchtbar, dass sich Menschen über andere Leute lustig machen, sie verspotten und gar nicht wissen (oder es ihnen gleichgültig ist) was sie damit anrichten. Als Leserin habe ich wirklich mit gelitten und mich gefragt, ob Leonie es aus diesem wirklich schlimmen Tief herausschafft und ob Fynn ihr helfen kann.

Und noch ein kleiner Exkurs: Wer sich jetzt auch fragt: „Was ist bitte ein Axolotl?" Ich musste das selbst auch recherchieren und teile meine Erkenntnisse gern mit euch. Es handelt sich nämlich um einen mexikanischen Schwanzlurch, wobei das Wort „Axolotl“ aus dem Sprachgebrauch der „Azteken“ stammt und so viel wie „Wassermonster“ bedeutet. Optisch sieht dieser Lurch aus wie eine sehr große Kaulquappe mit einer Mischung aus Molch und Salamander. (Quelle: hier)
Fazit
Ein gutes Buch, das mich zwar nicht richtig fesseln konnte, aber durch die ernste Thematik punktet und zum nachdenken anregt.
3,5 von 5 Sonnen

Der Klappentext
"Eine Träne im Wasser. Ein Splitter im Herzen. Ein verwunschener Prinz.

Als der Spiegel ihrer Großmutter zerbricht, verliert Leonie mit der Erinnerung an sie auch den letzten Halt in ihrem Leben. In der Schule nur als Brillenschlange gehänselt und verlacht, hat sie längst aufgegeben dazugehören zu wollen. Ihr bleibt nur eine Möglichkeit, mit allem fertig zu werden. Eine beschissene Möglichkeit, wie Fynn meint. Nur kann er ihr gerade keinen guten Rat geben, weiß er ja selbst nicht einmal, warum er sch plötzlich in Leonies Aquarium wiederfindet. Nur noch 20 cm groß mit glitschiger, kupferfarbener Haut und seltsamen Wucherungen dort, wo eigentlich sein Hals sein sollte, werden die zehn Quadratmeter ihres Zimmers seine neue Welt. Bevor er das Rätsel seiner Verwandlung allerdings lüften kann, enthüllt eine blutige Scherbe ihm Leonies bitteres Geheimnis. Nun hat er die Wahl: Will er weiter in Selbstmitleid baden, oder wird er die helfende Hand, die Leonie braucht?

Froschkönig trifft Schneekönigin. Im Axolotlkönig spinnt die Autorin Sylvia Rieß die Element zweier weltbekannter Märchen in einer witzig-modernen und zugleich düsteren Romanze zusammen, die uns zeigt, wie wichtig es ist, die Welt manchmal mit den Augen eines anderen zu sehen."

Liebe Grüße und bis bald,
 eure Elena

Kommentare

  1. Hallo Ena :)

    Vielen Dank für die Rezension. Sehr schön, auch mal eine kritische Stimme zu den Protagonisten zu lesen.
    Mich als Autorin interessiert natürlich immer am meisten, was gefehlt hat. Bzw. wo war es dir zuviel? An welchen Stellen haben Fynn und Leo für dich an Glaubwürdigkeit verloren?

    Ich stimme dir auf jeden Fall zu, sie sind am Anfang als Stereotypen skizziert, so wie 'der gut aussehnde Prinz' und 'die isolierte Prinzessin' im Märchen auch. Dennoch sind sie als Figuren angelegt, die uns so tagtäglich über den Weg laufen könnten.

    Deswegen bin ich neugierig und warte gespannt auf deine Antwort. Nur aus Diskrepanz entsteht Dialog. Wenn man sich immer einig ist, gibt es ja nchts, worüber man reden kann. ;)

    :D

    Ganz liebe Grüße und herzlichen Dank für deine ehrliche Meinung.

    Sylvia

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    1. Hallo Sylvia,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Gerne antworte ich dir hier erstmal, werde mich aber sowieso noch per Facebook bei dir melden.
      Was für mich am wenigsten glaubwürdig war, das war wohl wie schnell Fynn sich in sein Lurchschicksal gefügt hat. Ich glaube, dass ich selbst an seiner Stelle viel panischer gewesen wäre und viel stärker hinterfragt hätte. Insgesamt waren da einfach manche Situationen, in denen ich total erschrocken gewesen wäre, wenn mir so etwas passieren würde. Natürlich ist es ein Märchen bzw. Fantasy, aber dieser Akzeptanzfaktor gehört für mich einfach zur Glaubwürdigkeit. :-)

      Ganz liebe Grüße
      Ena

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